Die Geschichte von Haslach

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Im Krieg gegen die Franzosen 1870/71 wurden sechs Haslacher Bürger eingezogen. Sie konnten jedoch alle in der ersten Juliwoche 1871 wohlbehalten zurückkehren. Ihre Heimkehr wurde am 26. Juli 1871 von der ganzen Gemeinde gefeiert. Der ehemalige Kastanienbaum an der Friedhofsmauer soll bei diesem Anlaß als Siegesbaum gepflanzt worden sein.

Am 25. und 26. Mai 1872 wurde Haslach überschwemmt. Sämtliche Brücken wurden weggerissen. "Das ganze Unterdorf ist ein großer See", weiß der Chronist zu berichten. Bereits 4 Jahre später, nämlich am 11. Juni 1876 wurde unser Dorf erneut überflutet. Wieder wurden sämtliche Brücken fortgerissen, und viele Häuser standen unter Wasser. Am selben Tag wurde beim Gastwirt Seitz zum ersten Mal ausgeschenkt, obwohl dieser die "Wirtschaftsgerechtigkeit" erst 1891 von Müller Uhl erkaufte und seine Wirtschaft von da an "zum Löwen" nannte. Der Preis dafür betrug 1800 Mark. Sonnenwirt Kibler beteiligte sich mit 600 Mark an diesen Kosten, wohl um zu verhindern, daß sich ein dritter Wirt in Haslach niederlasse. Der Chronist bemerkt: "Das Wirtschaftsleben hat in den letzten 20 Jahren einen erschreckenden Aufschwung genommen".

Am 13. Juli 1883 brannte der gut eingerichtete Norberthof ab, und in der Neujahrsnacht 1884/85 stand das Anwesen des schwer verschuldeten "Bergbauern" Baumgärtner in Flammen. Der Bauer selbst hatte den Brand gelegt und wurde dafür vom Schwurgericht Ravensburg zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

1885 wurde neben dem Schul- und Rathaus ein neues Schulhaus gebaut. Von da an konnten die nahezu 150 Schüler in zwei Klassenräumen unterrichtet werden. Damit waren für die damalige Zeit vorbildliche Schulverhältnisse geschaffen. Der Chronist berichtet am 29. Oktober 1885: "Heute wurde das neue Schulhaus eingeweiht. Zuerst war ein Lob- und Bittamt, dann Prozession zur neuen Schule unter Abbetung der Allerheiligenlitanei, dann erfolgte die Benediktion (Weihe). Die Beteiligung der Ortseinwohner, resp. der Pfarrkinder war ziemlich groß. Sämtliche 144 Schulkinder bekamen aus Gemeinde- Mitteln je einen Wecken. Der schöne Bau wurde - nach den fast übertriebenen Anforderungen des bestehenden Gesetzes - ausgeführt von Werkmeistern von Tannheim. Die Zimmermannsarbeit vom hiesigen Zimmermeister Hehl; die Schreinerarbeit teilweise vom Schreiner J.A. Simma von hier, teilweise von Schreiner (und Totengräber) Alois Rehm, der sämtliche Schulbänke fertigte. Die Gesamtkosten betragen 8500,—Mark, eine große Summe für die arme Gemeinde." In diesem Haus wurden die Schüler der Klassen vier bis acht bis 1964 unterrichtet. In einem kleinen Ausweichzimmer im Obergeschoß standen damals alte Viersitzer- Bänke ohne Klappvorrichtung; vermutlich stammten sie noch aus der Werkstatt des Schreinermeisters Rehm. Seit dem Umzug der Schule ins neue Haus wurde die "alte Schule" von der Feuerwehr und dem Musikverein genutzt.
1880 wurde die Ortsfeuerwehr gegründet und 1888 das Spritzenhaus gebaut. Es stand zwischen der Mooshauser Straße und der Heusteige, wo heute die "Verkehrsinsel" angelegt ist.

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